„Die Mannschaft“ – der DFB und die Lust am Schmerz

Schon vor einiger Zeit hatte der DFB angekündigt, die National-Elf künftig als „Die Mannschaft“ betiteln zu wollen. Umfangreiches Marketing-Brimborium voller Männerromantik begleitete die Vorstellung. Inzwischen kann man das Ergebnis erster Markenanmeldungen bewundern. Warum nur gelingt es Fußballverbänden ein ums andere mal, sich markenrechtlich so ins eigene Bein zu schießen?

Eigentlich ist es nicht schwer: als Marke schutzfähig ist nur, was geeignet ist, „Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden“, § 3 Abs. 1 MarkenG. Fehlt es an derartiger Unterscheidungskraft, kann die Marke wegen eines „absoluten Schutzhindernisses“ nicht eingetragen werden, § 8 Abs. 2 Nr 1 MarkenG.

Und genau so liegt die Sache hier – schon wieder. Die FIFA hatte sich das – stellvertrend auch für den DFB als ihren Mitgliedsverband – schon einmal ganz genau erklären lassen:

„Die Eignung, Waren oder Dienstleistungen ihrer Herkunft nach zu unterscheiden, kommt ferner solchen Angaben nicht zu, die aus gebräuchlichen Wörtern oder Wendungen der deutschen Sprache bestehen, die etwa wegen einer entsprechenden Verwendung in der Werbung oder in den Medien stets nur als solche und nicht als Unterscheidungsmittel verstanden werden (vgl. BGH, GRUR 2001, 1042 – REICH UND SCHOEN; GRUR 2001, 1043, 1044 – Gute Zeiten – Schlechte Zeiten, m.w. Nachw.).“

(BGH, Urt. v.  27. 4. 2006, I ZB 96/05, GRUR 2006, 850, 854 – FUSSBALL WM 2006)

Jetzt also „Die Mannschaft“. Immerhin ist man diesmal schlauer und versucht zumindest nicht ohne jede Aussicht auf Erfolg, eine Wortmarke anzumelden – was auch kein Wunder ist, denn die Kollegen KLAKA Rechtsanwälte, die den DFB in den Eintragungsverfahren betreuen, verstehen Ihr Handwerk bekanntermaßen gut. Man hat sich daher für eine Wort-/Bildmarke entschieden, um die fehlende Unterscheidungskraft nach Möglichkeit zu kaschieren und überhaupt irgendetwas eingetragen zu bekommen:

Die_Mannschaft_Markenanmeldungen

Aber auch die besten Anwälte können nicht retten, was die offenbar beratungsresistente Marketingabteilung des Deutschen Fußballbunds versaubeutelt. Der DFB will offenbar auf Biegen und Brechen Alltagsbegriffe monopolisieren. Verräterisch ist insoweit die Nichteintragung der recht schlichten Gestaltung, die oben an erster Stelle abgebildet ist. Es ist nur eine Vermutung, aber überwiegend wahrscheinlich: da hat ein Sachbearbeiter des Deutschen Patent- und Markenamts angerufen und Zweifel angemeldet, woraufhin die Anmeldegebühren nicht mehr eingezahlt wurden und die Anmeldung nach Fristablauf als „zurück genommen gilt“. So verfahren viele Anmelder, wenn sie verhindern wollen, bei einer Zurückweisung der Anmeldung schwarz auf weiß bestätigt zu bekommen, dass ein Wortbestandteil der Marke nicht schutzfähig ist.

Dabei weiß der DFB eigentlich, wie es besser geht – er schreibt nämlich in einer Pressemitteilung selbst:

„Mit dem neuen Logo wird eine Lücke gefüllt. Frankreich hat die „Equipe Tricolore“, Italien die „Squadra Azzurra“, Spanien die „Furia Roja“, die Niederlande haben die „Elftal“, Brasilien die „Selecao“. In Deutschland fehlte bislang eine vergleichbare Bezeichnung.“

Fällt jemandem etwas auf?

Das „dreifarbige Team“, die „Blaue Mannschaft“, die „Rote Furie“ – ja, das geht.

„Die Mannschaft“ – das geht nicht.

Der DFB hat in gewohnter Manier für so gut wie jede denkbare Ware oder Dienstleistung Schutz beansprucht. Angst haben muss trotzdem niemand. Wenn man den grafischen Zierrat beiseite lässt, kann jedermann gefahrlos mit dem Begriff „Die Mannschaft“ werben. Ja, auch mit großgeschriebenem Artikel (s. etwa BGH, Urt. v. 20.03.03, I ZR 60/01, GRUR 2003, 963 ff. – AntiVir/AntiVirus).

Kurios, schließlich: der DFB hat lediglich deutsche Marken angemeldet. Dabei hätte eine Anmeldung gerade in anderen Ländern vermutlich sogar Aussicht auf Erfolg gehabt, denn z.B. im Bulgarischen dürfte das Wort „Mannschaft“ eher weniger gebräuchlich sein. Das Vorgehen ist damit sachlich falsch und dann auch noch halbherzig – so etwas ist nicht im Ansatz nachvollziehbar.

Es gibt einen Grund, warum die Verbände in letzter Zeit so in die Kritik geraten sind. Die korrupten Strukturen resultieren in amateurhaftem Verhalten. Sportverbände verstehen  ihr Kerngeschäft – nämlich die (Sport-) Vermarktung – nicht. Kein Wunder, dass uns die Premier League finanziell davon zieht.