Adrenalin vor Jahresende: Danke, liebe Rechtsanwaltskammer

In meiner Heimat findet an jedem ersten Sonnabend im Monat um 11:00 Uhr ein Probealarm des Sirenenwarnsystems statt. Jeder Feuerwehrmann kann so feststellen, ob er den Alarm hört, die Systembetreiber stellen etwaige Defekte an den Anlagen fest. Da es sich einerseits um eine ohnehin „alarmarme“ Zeit handelt, andererseits jeder über diesen Probealarm Bescheid weiß, ist es auch nicht weiter störend. In Düsseldorf sind Probealarme eher selten, werden zunächst groß angekündigt und finden ebenfalls eher in „problemlosen“ Zeiten statt.

Die Rechtsanwaltskammer Düsseldorf hat in der vergangenen Woche in den Augen vieler Kollegen jedoch etwas unschön agiert.

Alarm in Düsseldorf

Am 28. Dezember 2018 gegen 13:24 Uhr erhielt ich eine Mitteilung, dass eine Mitteilung in meinem besonderen elektronischen Anwaltspostfach eingegangen sei.

Entwarnung

Pflichtbewusst am Arbeitsplatz, konnte ich mich gleich davon vergewissern, dass Absender die RAK war, der Inhalt ein Rundschreiben bezüglich einer Vorstandswahl.

War das gut überlegt?

Einerseits freue ich mich, dass die RAK die modernen Kommunikationsmittel nutzt, um Porto zu sparen und ihre Mitglieder zeitnah zu informieren. Auch finde ich einen Probealarm gut, weil er sicherlich einige Kollegen nochmals wachgerüttelt hat, die Abläufe rund um das beA mehr in die Kanzleiorganisation zu implementieren (Stichworte: Berechtigungen für andere Benutzer, Softwarezertifikate). Andererseits gebe ich zu Bedenken, ob ein Versand am 28. Dezember 2018 gegen 13:24 Uhr wirklich geschickt gewählt ist.

Die Mitteilung kam

  • an einem Brückentag,
  • so, dass viele Kollegen vier, teils sogar zehn Tage (dann hat ein Kollege eben den Ärger), nicht am Arbeitsplatz sind,
  • an einem Freitagnachmittag und
  • kurz vor Monatsende, zudem kurz vor Ablauf von Verjährungsfristen.

Ich kenne Kollegen, die aus diesem Grund ihren Einkaufsbummel abgebrochen haben, die Familie zu Hause haben sitzen lassen und ins Büro gefahren sind.

Daneben frage ich mich auch, ob das System überhaupt tagsüber für solche Massenmailings genutzt werden sollte, haben doch viele Nutzer des beA derzeit damit zu kämpfen, dass Übermittlungen fehlschlagen, was – so munkelt man – überlastungsbedingt sei.

Auf einen Nachweis, dass die Mitteilung im Postfach des Rechtsanwalt eingegangen ist, kam es vorliegend nicht an. Auch eine verschlüsselte Übermittlung erforderte diese Mitteilung nicht. Vielleicht ist doch der Versand per E-Mail für solche Mitteilungen der richtige Weg.