Designrecht gegen das 80er-Mode-Revival?

Die Damenmode der Saison 2018 ist schlimmer als der Klimawandel – die 80er sind zurück. Wir haben untersucht, ob es nicht ein Gesetz dagegen gibt.

Wenn der Frühling sein blaues Band wehen lässt, ist normalerweise alles gut. Dieses Jahr allerdings lässt er schwarz-weiß-gestreifte sackähnliche Damenhosen wehen, und das ist ein Grund zu großem Wehklagen.

Die diesjährige Damenmode greift auf zu Recht überwundene Elemente der 80er zurück, und das Ergebnis ist fatal.

Eigentlich handelt es sich um Mimikri:

Die diesjährigen Damenhosen lassen die Trägerin durch die optische Verlängerung des Gesäßes bis zum Schulterblatt wie einen Dreijährigen mit voller Windel aussehen.

Nur nicht so niedlich.

War Coco Chanels „kleines Schwarzes“ noch schwere Artillerie im Kampf der Geschlechter, sind die diesjährigen Hosensäcke die Stinkbomben des #metoo-Zeitalters: sie verhindern zuverlässig jede Annäherung, ob erwünscht oder unerwünscht.

Gibt es denn nichts, gar nichts, was man tun kann?

Nun, man kann vielleicht seine Ballonseide-Jogginghose aufblasen und bis zum nächsten Frühjahr entfliegen. Aber sonst?

Vielleicht doch, haben wir uns überlegt: wenn man einen der Verbrecher, die die ursprünglichen Designs in den 80ern aufgelegt haben, aufspüren und ihn überzeugen kann, wenigstens jetzt, fast 40 Jahre später, Wiedergutmachung zu leisten, könnte es gelingen:

Design kann nämlich unter bestimmten Umständen geschützt werden – und vielleicht ließe sich ja so ein Antiästhet überzeugen, sein Schutzrecht gegen die diesjährigen Nachahmer in Stellung zu bringen.

Die gute Nachricht vorweg: ein Design muss, um geschützt zu werden, nicht schön sein. Es muss auch keine besondere Gestaltungshöhe erreichen. Gut, denn sonst wäre der Ofen für die Hosensäcke hier schon aus.

Statt dessen erfordert Designschutz, dass das Muster „eigenart“ aufweist.

„Eigenartig“ ist der Kram allemal: check.

Der nächste Punkt: es muss im Zeitpunkt des Erscheinens „neu“ gewesen sein.

Auch hier können wir einen Haken dranmachen: so ein Quatsch ist vor den 80ern aus zwingenden ästhetischen Gründen niemandem eingefallen; es handelt sich vermutlich um die direkte Folge der Atomunglücke von Three Mile Island und Tschernobyl, die erst kurz vor dem Erscheinen dieser grotesken Verirrungen geschehen sind.

Neuheit: check.

Nächster Punkt: der Schutz muss beantragt worden sein – nur das Gemeinschaftsgeschmacksmuster entsteht auch ohne Eintragung, ist aber erst nach den 80ern überhaupt erst gesetzlich eingeführt worden.

Das können wir trotzdem unterstellen – denn die meisten Modeunternehmen lassen ihre Entwürfe routinemäßig eintragen.

Designrechtseintragung (damals noch „Geschmacksmustereintragung“): check.

Der Schutz muss auch noch bis heute existieren.

Und hier haben wir ein Problem. § 25 Abs. 2 DesignG lautet:

„Die Schutzdauer des eingetragenen Designs beträgt 25 Jahre, gerechnet ab dem Anmeldetag.“

Das letzte denkbare Design der 80er, eintragen am 31. Dezember 1989, ist daher mit Ablauf des 31. Dezember 2014 unwiderbringlich erloschen.

We are all doomed.

Verschließen wir also die Augen vor dem Elend und starren statt dessen bis zum nächsten Frühjahr in die Sonne:

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