Urheberrecht – von kleinen Münzen und großen Worten

In Zeiten massenhafter schmieriger Foto-Abmahnungen und Kollegen, die sich selbst als Porno-Anwälte bezeichnen, tut es gut, wenn man einen Blick zurückwirft und feststellt: die Grundidee des Urheberrechts war nicht schlecht; sie war schön und ist daher immer noch wahr. Die Anwendung des Urheberrechts treibt seltsame Blüten – das Urheberrecht selbst ist eine Errungenschaft.

Und sie ist schon ein bisschen älter. Das wird einem bewusst, wenn man Begriffe wie den der „kleinen Münze“ hört – damit beschreibt der Fachmann seit rund 100 Jahren den Umstand, dass nicht nur die Werke Goethes oder Hendrix‘ urheberrechtlichen Schutz genießen, sondern auch solche, die nur eine geringe schöpferische Leistung erforderten. Auch die kleine Münze sei eben eine Münze und habe daher ihren Wert, formulierte zuerst Dr. Alexander Elster.

Während der Begriff sich bis heute hält, gilt das nicht für die gerade gegebene Erklärung – und weil mich das genervt hat, habe ich 3,50 € investiert (brutto) und mir ein Buch von dem gekauft, der den Begriff erfunden hat: Dr. Alexander Elster. So sieht’s aus:

Urheberrecht - Dr. Alexander Elster

Was aber noch besser ist als die Lösung des Mysteriums um einen recht eigenartigen Begriff, ist die Formulierungskunst des Autors, die einem den Glauben an die Menschheit wiedergibt:

„Urheber von etwas Schutzwürdigem zu sein, ist ein Ehrentitel; er will verdient sein; und wird verdient durch Schöpfung, d.h. durch einen wahrhaftigen Akt: dem geistigen Werke den sichtbaren Leib zu geben, es aus dem Filter der Seele gereinigt als wertbare Form herausgehen zu lassen, lebendigen Odem in toter Masse fühlbar werden zu lassen, Geisterndes zur Form zu verdichten, wie es Dichter tun.“

Elster, Alexander: Das deutsche Urheber- und Verlagsrecht, Walter de Gruther & Co., Berlin und Leipzig 1923, S. 27.

Wenn ich bei Gelegenheit wieder so einen Windbeutel auf der Gegenseite habe, der versucht, mit Hilfe von Wikipedia-Uploads Kasse zu machen (ein Beispiel findet sich hier), werde ich das Zitat benutzen. Und daran anschließend formulieren:

„Demgegenüber steht hier der Kläger.“

Damit kommt man (leider, leider) nicht daran vorbei, dass diese Schmarotzer kraft Lichtbildschutzrecht gar keine Schöpfungshöhe darlegen müssen – aber bei der Reduzierung der stets in exorbitanter Höhe geltend gemachten Schadensersatzbeträge wird sich das Zitat sicher günstig auswirken…

 

Ein Gedanke zu „Urheberrecht – von kleinen Münzen und großen Worten“

  1. Hallo Herr Franz, schön, von einem Anwalt auch mal etwas Schöngeistiges zu lesen, das hat mich sehr gefreut. Ich grüble allerdings noch, ob Sie in Ihrem ersten Satz die schmierigen Fotos (liegt nahe wegen der dann folgenden „Porno-Anwälte“) oder die schmierigen Abmahnungen meinen. Berechtigt wäre beides…

    Mit den besten Grüßen
    Annette Kübler

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